Vermögensbetreuungspflicht

Nicht jede Vertrags- oder Dienstpflicht genügt für § 266 StGB. Erforderlich ist eine besonders gewichtige Verantwortung für fremde Vermögensinteressen mit eigenständigem Entscheidungsspielraum. Bei Geschäftsführern, Vorständen, Bevollmächtigten, Vereinsorganen oder Beschäftigten müssen Rechtsgrundlage, tatsächliche Aufgaben und interne Zuständigkeiten bestimmt werden.

Unternehmerischer Spielraum

Wirtschaftliche Entscheidungen werden häufig unter Unsicherheit getroffen. Ein späterer Verlust belegt nicht, dass die damalige Entscheidung pflichtwidrig war. Informationslage, Genehmigungen, Marktumstände, Interessenkonflikte und vertretbare Handlungsalternativen sind aus damaliger Perspektive zu prüfen. Interne Regelverstöße und strafrechtliche Pflichtverletzung sind nicht automatisch identisch.

Vermögensnachteil richtig berechnen

Leistung und Gegenleistung müssen wirtschaftlich verglichen werden. Ansprüche, Sicherheiten, Chancen und kompensierende Vorteile können relevant sein. Eine schadensgleiche Vermögensgefährdung verlangt eine konkrete wirtschaftliche Betrachtung; abstrakte Risiken reichen nicht. Bei komplexen Bewertungen können sachverständige Analysen erforderlich sein.

Chronologie statt Rechtfertigung aus ErinnerungVor einer Einlassung sollten Beschlüsse, E-Mails, Verträge, Gutachten und Zuständigkeiten zeitlich geordnet werden. Spätere Erkenntnisse dürfen nicht unbemerkt in die damalige Entscheidungssituation übertragen werden.

Was wusste der Verantwortliche?

Der Vorsatz muss Pflichtverletzung und Vermögensnachteil umfassen. Ressortverteilung, Berichte, Freigabeprozesse und fachlicher Rat können für den Kenntnisstand bedeutsam sein. Organstellung allein ersetzt die individuelle Zurechnung nicht.

Warum Untreueverfahren umfangreich werden

Ermittlungen betreffen oft lange Zeiträume, viele Geschäftsvorgänge und große Datenbestände. Neben Strafrisiken drohen Vermögensarrest, Einziehung, Haftung und berufliche Folgen. Verteidigung benötigt deshalb einen belastbaren Aktenplan, eine Zahlungs- und Entscheidungsanalyse sowie klare Trennung zwischen persönlicher Verteidigung und Unternehmensinteressen.

Rechtliche Grundlage insbesondere § 266 StGB. Stand: September 2026.

Qualität und Transparenz

Redaktion und fachliche Verantwortung.

Fachlich verantwortlich: Rechtsanwalt Frank Ertan Ulrich, Fachanwalt für Strafrecht. Letzte redaktionelle Aktualisierung: 4. September 2026.

Die Darstellung dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls.